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Reportagen

A Coffee and a «SPECKLI» please
07.08.2018

A Coffee and a «SPECKLI» please

 

«A Coffee and a SPECKLI please.» Was für Nicht-Zuger im ersten Moment befremdlich klingt, hat hier im Herzen der Schweiz eine jahrelange Tradition. Dass auf Englisch bestellt wird, ist seit geraumer Zeit ebenfalls zur Normalität geworden. Peter Speck empfängt uns im Hauptgeschäft der Confiserie Speck direkt am Bahnhof. Bereits seit 1895 bietet seine Familie hier Zuger Spezialitäten von höchster Qualität an. Die Zuger Kirschtorte und natürlich die beliebten SPECKLI sind nur einige davon. Die kleinen Madeleines sind seit vielen Jahren das Aushängeschild der Confiserie und werden unter strikter Einhaltung des Geheimrezepts produziert und verkauft. Dennoch – kleine Abänderungen sind erlaubt. So sticht uns auf den ersten Blick das Hanf-SPECKLI ins Auge. «Man muss am Puls der Zeit bleiben», lacht Speck und lädt uns auf ein Gespräch ins hauseigene Restaurant ein.

 

Mit der Zeit gehen 

Im Herbst 2017 wagte sich Speck zusammen mit Produktionsleiter Markus Waser an ein neues Rezept der SPECKLI. In kürzester Zeitstand das neue Schokoladen-Hanf-Rezept. Die grösste Herausforderung dabei? Die Beschaffung der Rohstoffe. Der THC-Gehalt des Hanfs muss auf ein Minimum reduziert werden. Und das unter stetiger Einhaltung aller Qualitätsansprüche. «Glücklicherweise muss ich dafür nicht zu einem zwielichtigen Dealer gehen», schmunzelt Speck. «Wir haben heute Lieferanten, die uns kontrollierte und sichere Rohstoffe dafür liefern. Trotzdem bleiben die Hanf-SPECKLI ein Nischenprodukt», erklärt Speck. «So wie sich die Gesellschaft verändert, verändern wir uns auch.»

Traditionell und doch am Puls der Zeit – die Speck's machen's vor.

Der Kundenstamm der Confiserie Speck hat in den vergangenen Jahren wie die Stadt Zug selbst einen Wandel durchlebt. Grosse, internationale Firmen sind hier ansässig geworden, Menschen sind gekommen und gegangen. Und sie sind internationaler geworden. Zug hat einen Ausländeranteil von rund 35 Prozent. Es gibt hier mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Viele dieser Einwohner kommen von ausserhalb nach Zug und ziehen einige Jahre später wieder weg. «Das heisst, dass wir sehr viele Menschen in kürzester Zeit von unseren Produkten überzeugen müssen», erklärt Speck. «Deshalb ist es für uns wichtig, ständig am Puls der Zeit zu bleiben.»

 

Veränderungen verstehen 

«Wir betreiben trotzdem immer noch ein sehr traditionelles Geschäft», erklärt Speck. Denn was man als Kind gerne gegessen hat, wird man auch später noch seinen Enkeln weitergeben. Aber Tradition hin oder her – um Veränderungen kommen auch Confiserien nicht herum. Die Kunst, sich diesen Veränderungen laufend anzupassen und sich mit ihnen weiterzuentwickeln, beherrschen die Specks. Das beste Beispiel dafür ist das Projekt «Sandwich-Kurier», das Peter Speck und sein Bruder 2002 ins Leben gerufen haben. «Vor 20 Jahren haben wir uns überlegt, wie wir am besten mit den grossen Firmen zusammenarbeiten und von ihnen profitieren können», erinnert sich Speck. Die internationale Meeting-Kultur mit Business-Lunches war die Möglichkeit für die Confiserie Speck, ins Mittagsgeschäft einzusteigen und damit zu unterstreichen, dass auch die Binnenwirtschaft von einer gut funktionierenden Exportwirtschaft profitiert.

Peter Speck und sein Bruder riefen das Projekt «Sandwich-Kurier» 2002 ins Leben.

«Auch als lokales KMU brauchen wir die grossen, internationalen Firmen, um Arbeitsplätze zu erhalten oder sogar neue zu schaffen», erklärt Speck. Seither beliefert das Unternehmen mittags zahlreiche Unternehmen in der Region mit Salatschüsseln, Sandwiches und gesunden Snacks. Praktisch in kompostierbare Tüten verpackt, erhalten die Firmen die gesamte Online-Bestellung an jedem Wochentag. Kompostierbar? Ja, die Themen Nachhaltigkeit, Umwelt und Gesundheit sind tief in der Firmenkultur verankert. Kurze Wege, wenig Abfall und regionale Produkte sind hier an der Tagesordnung.

 

Der Region treu bleiben 

Was immer die Confiserie Speck aus der Region beziehen kann, bezieht sie auch aus der Region. Der Kirsch, der für viele der Zuger Spezialitäten verwendet wird, kommt selbstverständlich aus Zug. Frische Beeren und andere Früchte bezieht man ebenfalls, wenn möglich, aus der Gegend. Auch Dinkel bekamen die Specks schon vom Zugerberg. Davon gibt es aber leider nicht immer genug. Das Paradebeispiel für die Verbundenheit der Confiserie Speck zur Region ist die Zusammenarbeit mit dem einzigen Hühnerhof in Zug. Von ihm beziehen die Specks seit Jahren sämtliche Eier, die sie für die Produktion ihrer Köstlichkeiten benötigen und das Fleisch, das in Kombination mit frischem Salat ein Verkaufsschlager ist. Jeden Tag bringt der Zuger Bauer die frischen Eier zum Produktionsstandort, der sich in der Hauptfiliale am Bahnhof befindet. Auf dem Rückweg nimmt er das alte Brot der Confiserie mit und verfüttert es wiederum an seine Hühner. «Ein perfekter Kreislauf», so Speck stolz.

An sechs Standorten ist die Confiserie Speck in Zug heute bereits vertreten.

Foodwaste war in dem Zuger Traditionsbetrieb noch nie ein Thema. «Früher holte meine Tante abends alle Reste ab und verteilte sie an bedürftige Menschen», erinnert er sich. «Heute arbeiten wir mit der gemeinnützigen Gesellschaft Zug zusammen, die all unsere Reste jeden Morgen abholt und wiederum an Menschen verteilt, die sich darüber freuen.» Kaum vorstellbar, dass die Confiserie Speck überhaupt Reste hat – denn das Geschäft floriert. Ganze sechs Filialen gibt es in Zug heute bereits. Jede Filiale spricht ein etwas anderes Publikum an. Von jung bis alt, von einheimisch bis zugewandert. Die Zuwanderung spielt in der Stadt und im Kanton Zug eine grosse Rolle. Nicht zuletzt die grossen Unternehmen, tragen einen wichtigen Teil dazu bei. Aber was macht Zug als Standort so attraktiv?

  

Voneinander lernen 

«Schauen Sie aus dem Fenster», beginnt Speck. «Wir sind hier in Zug an einem sehr schönen Ort.» Aber auch mit internationalen Schulen, renommierten Universitäten in der Umgebung und der guten Anbindung zu internationalen Flughäfen punktet Zug. «Sicherlich spielt auch der finanzielle Aspekt mit, wenn sich grossen Firmen für den Standort Zug entscheiden», so Speck. «Denn auch in Sachen Steuern sind wir hier auf einem guten Level. Gepaart mit einer sehr dienstleistungsorientierten Verwaltung und kurzen administrativen Wegen stimmen die Rahmenbedingungen in Zug.» Dass Unternehmen, die sich hier niederlassen, auch von den Erfahrungen anderer Unternehmen profitieren und das Know-how bereits hier ist, käme noch dazu, ist er sich sicher.

 

«Stimmen die Rahmenbedingungen für die grossen Unternehmen, zieht auch die Binnenwirtschaft und damit jedes lokale KMU mit.»

«Zug ist für grosse, internationale Firmen kein Brachland. Selbst bei der Rekrutierung von Mitarbeitenden können Unternehmen hier entweder vom bereits bestehenden Pool aus dem Vollen schöpfen oder aber dank den guten Beziehungen mit der EU hochqualifiziertes Personal aus Europa einstellen. Auch für uns haben sich mit den bilateralen Verträgen und besonders mit der Personenfreizügigkeit viele Türen geöffnet. Personal aus dem Ausland ist heute viel unbürokratischer und einfacher einzustellen, wobei wir in der Produktion fast ausschliesslich und an der Front nach Möglichkeit auf Schweizer setzen.» Trotzdem ist es klar, dass die grossen Unternehmen viel mehr von den guten Beziehungen zur EU betroffen sind. Aber wie gesagt: Stimmen die Rahmenbedingungen für die grossen Unternehmen, zieht auch die Binnenwirtschaft und damit jedes lokale KMU mit. Trotzdem ist Peter Speck mit seiner Confiserie auch auf die wirtschaftliche Offenheit der Schweiz angewiesen. «Die Grossen können weiterziehen, wenn es nötig wird. Aber mit unseren Zuger Spezialitäten sind wir lokal gebunden.»

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