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Drei Fragen an...

Roger Graber - Wirtschaftsförderung Kanton Solothurn
25.09.2018

Roger Graber - Wirtschaftsförderung Kanton Solothurn

Herr Graber, weshalb zieht es die Life-Science-Branche in die Schweiz?

Damit die Wirtschaft floriert und sich eine Industrie für einen bestimmten Standort interessiert, müssen laut dem Ökonomen Richard Florida die 3Ts – Talent, Technologie und Toleranz – vorzufinden sein. Für echte Innovation und eine nachhaltige ökonomische Entwicklung müssen alle drei Faktoren erfüllt sein. Gerade für eine innovative und wissensintensive Branche wie die Life-Science-Industrie spielen insbesondere Talent und Technologie eine wichtige Rolle, jedoch muss auch die Toleranz im Sinne von Offenheit gegenüber Neuem und Andersartigem gegeben sein. Die Schweiz und auch die Region Solothurn erfüllen diese drei Faktoren gut.

 

Können Sie das am Beispiel von Solothurn etwas genauer erläutern?

Solothurn liegt in Pendeldistanz von Basel, Zürich, Bern und Luzern und kann dadurch auf ein Portfolio von 1,5 Millionen Arbeitskräften zugreifen. Gerade für grosse internationale Unternehmen, die teilweise auf hochqualifizierte und spezialisierte Fachkräfte angewiesen sind, ist das Kriterium Talent essenziell für die Standortwahl. Das Kriterium Toleranz darf ebenfalls nicht vernachlässigt werden, denn talentierte Menschen sind begehrt und wollen an einem Ort leben, wo ihre Ideen auf fruchtbaren Boden fallen. Diese Offenheit schätzen international orientierte Unternehmen und ihre Mitarbeitenden bei uns sehr. Neben der optimalen Lage und des grossen Talentpools kann Solothurn durch seine langjährige Tradition in der Präzisionsindustrie punkten. Sie ist die Wiege der hiesigen Life-Science-Branche. Beide Industrien zusammen halten über die Hälfte aller aktiven Patente im Kanton. Dadurch ist Solothurn hinsichtlich des Faktors Technologie klar positioniert.

 

Inwiefern spielen die bilateralen Verträge eine Rolle?

Die bilateralen Verträge fliessen beim Standortfaktor Toleranz bzw. Offenheit ein. Die Life-Science-Industrie ist stark exportorientiert. Standortspezifische Faktoren wie der Talentpool oder die vorhandene Technologie spielen zwar eine wichtige Rolle bei der Ansiedelung, internationale Firmen sind jedoch vor allem auf offene Märkte und insbesondere auf einen einfachen Zugang zum europäischen Binnenmarkt und zu dessen hochqualifizierten Arbeitskräften angewiesen. Nur dadurch können sie ihre Produkte problemlos in die EU exportieren und notwendige Fachkräfte rekrutieren, falls diese nicht in der Schweiz zu finden sind. Damit ist die Toleranz neben den standortspezifischen Merkmalen für die Wahl des Standorts entscheidend.

 

Roger Graber ist Leiter der Anlaufstelle Solothurner Unternehmen und der Regionalpolitik bei der Wirtschaftsförderung des Kantons Solothurn.