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Ähnlicher als man denkt: Bier und Biotech-Medikamente
11.10.2018

Ähnlicher als man denkt: Bier und Biotech-Medikamente

Seit Jahrtausenden werden Mikroorganismen genutzt, um Bier, Wein oder Käse herzustellen. Für die Ägypter war das Bier neben Wasser das erste, einzige und auch wichtigste Getränk ihrer Zivilisation. Gegen Ende ihrer Blütezeit haben die Ägypter auch gelernt Wein herzustellen, indem sie Traubensaft ein paar Tage ruhen liessen, bis sich der Traubenzucker zu Kohlensäure und Alkohol umgewandelt hat. Was früher eher ein unkontrollierter Prozess war, wird heutzutage aktiv zur Herstellung von alkoholhaltigen Getränken wie Bier und Wein genutzt. Mit ähnlichen Verfahren und Prozessen werden seit ein paar Jahrzehnten auch biotechnologische Medikamente hergestellt. Der Markt der Biopharmazeutika ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und wird auch in Zukunft weiterhin zunehmen. Zurzeit investiert die amerikanische Firma Biogen rund 1.5 Milliarden Franken in den Bau einer hochmodernen Produktionsstätte in Luterbach im Kanton Solothurn. Von dort sollen ab 2020 jährlich bis zu eine Million Patientinnen und Patienten mit innovativen Medikamenten versorgt werden. Doch worin besteht nun tatsächlich die Gemeinsamkeit zwischen der Herstellung von Bier und Biopharmazeutika?

 

Ähnliche Herstellungsweise

Obwohl Bier und Biopharmazeutika bezüglich Regulierung und Anwendung deutliche Unterschiede aufweisen, werden sie mit ähnlichen Anlagen und Technologien hergestellt. Bier wird produziert, indem man eine aus Gerstenmalz hergestellte Würze mit Hefe versetzt und eine kontrollierte alkoholische Gärung durchführt. Die Hefe wandelt bei der Bierherstellung den Malzzucker in Alkohol, Kohlensäure und Aromastoffe um. Bei der Herstellung von Biopharmazeutika werden mit ähnlichen Prozessanlagen tierische Zellen zur Produktion von Antikörpern verwendet. Nach der Fermentation folgt wie bei der grosstechnischen Bierherstellung eine Aufreinigung, bei der unter anderem Zentrifugations- und Filtrationsschritte durchgeführt werden, um die erforderliche Reinheit und Produktqualität zu erzielen. Der gesamte Prozess dauert sowohl bei der Bier- als auch bei der Medikamentenherstellung rund fünf bis sechs Wochen.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist neben der Ähnlichkeit der Anlagen auch die Kontrolle einzelner Prozessparameter. So wird zum Beispiel die Temperatur sowohl bei der Bier- als auch der Arzneimittelherstellung streng kontrolliert. Während die Würze des Biers jedoch auf 100 Grad erhitzt und danach auf 10 oder 20 Grad abgekühlt werden muss, benötigen die tierischen Zellen bei der Medikamentenherstellung eine stark kontrollierte Temperatur von 37 Grad, damit sie sich wohlfühlen.

 

Unterschiedliche Absatzmärkte

Zwar gibt es erstaunlicherweise viele Gemeinsamkeiten in der Herstellung von Bier und Biopharmazeutika, worin sich die beiden Produkte jedoch unterscheiden, sind die Absatzmärkte. Während Bierbrauereien grösstenteils lokal oder national tätig sind, ist Europa für Medikamente aus der Schweiz der wichtigste Absatzmarkt. Rund 53% aller Pharmaprodukte werden in den europäischen Markt exportiert. Das Exportvolumen von Pharmaprodukten hat in den letzten Jahren stark zugenommen – nicht zuletzt dank den bilateralen Verträgen. Diese ermöglichen einen einfacheren Export in die europäischen Länder und haben zum Abbau der technischen Handelshemmnisse geführt. Gerade bei den Medikamenten ist dies ein wesentlicher Grund, weshalb weiterhin in der Schweiz produziert wird.

Ein weiterer Unterschied besteht in den Regulierungen der beiden Industrien. Obwohl auch bei Bierbrauereien strikte Inspektionen und Kontrollen durchgeführt werden und in den Brauereien sogar oftmals nach dem Reinheitsgesetz gearbeitet wird, ist die Intensität der internen sowie externen Kontrollen bei Arzneimittelherstellern zum Schutz der Patientinnen und Patienten höher. Dank den Bilateralen I müssen diese Inspektionen und Qualitätskontrollen jedoch nur einmal durchgeführt werden anstatt durch jedes EU-Land. Das erhöht die Effizienz und spart Mehrkosten von jährlich bis 300 Millionen Franken.

 

Die Gemeinsamkeiten der biotechnologischen Herstellung von Bier und Biopharmazeutika wurde im September von Biogen gemeinsam mit der Öufi-Brauerei vorgestellt. Mit rund 80 Gästen war die öffentliche Veranstaltung in Solothurn ausverkauft. Aufgrund der grossen Nachfrage steht ein ähnlicher Anlass in Planung.

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