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Drei Fragen an...

Sara Käch - Leiterin Kommunikation
14.09.2017

Sara Käch - Leiterin Kommunikation

Warum braucht es die bilateralen Verträge mit der EU, wenn es doch schon seit über 40 Jahren ein Freihandelsabkommen mit der EU gibt?

Das Freihandelsabkommen von 1972 hat vor allem zu einem Abbau von Industriezöllen geführt. Sogenannte technische Handelshemmnisse wurden aber erst mit den Bilateralen beseitigt. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Qualitätskontrolle der Medikamente von Schweizer Pharmaunternehmen, die in die EU geliefert werden, in der Schweiz stattfinden kann. Die Bilateralen sorgen dafür, dass diese Kontrollen in allen 28 EU-Staaten anerkannt werden. Vorher musste in jedem der 28 Länder eine eigene Kontrolle stattfinden. Mit den Bilateralen wurde der Export – und auch der Import – deshalb stark vereinfacht.

 

Aber in der Schweiz wird ja vor allem geforscht, warum ist der einfache Export da überhaupt wichtig?

Die Schweiz ist tatsächlich ein sehr wichtiger Forschungsstandort, aber gleichzeitig auch einer der wichtigsten Produktionsstandorte für Medikamente. Kein anderes Land hat eine so positive Pharmahandelsbilanz wie die Schweiz, exportiert also viel mehr Medikamente, als es importiert. Das ist unter anderem deshalb möglich, weil die Schweizer Firmen ihre Medikamente dank den bilateralen Verträgen ohne grosse Hindernisse in die EU-Staaten liefern können. In Europa wird mehr als jeder zweite Exportfranken verdient. Und in der Schweiz wird immer mehr produziert, momentan befindet sich etwa eine grosse neue Produktionsanlage einer amerikanischen Pharmafirma in Bau.

 

Amerikanische Pharmafirmen lassen in der Schweiz trotz hoher Lohnkosten produzieren?

In den letzten Jahren haben mehrere Firmen mit Sitz im Ausland in der Schweiz Produktionsstätten eröffnet, auch amerikanische Unternehmen. Ausschlaggebend dafür sind u.a. die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Fachkräften für die Produktion und die einfache Möglichkeit des Exports ohne Hindernisse. Beides wurde dank den Bilateralen möglich. Für den Export in die EU spielt es heute keine Rolle mehr, ob der Export von einem anderen EU-Land erfolgt oder aus der Schweiz. Die früheren Hürden mit aufwendigen Mehrfachkontrollen wurden mit den Bilateralen beseitigt. Der Export nach Europa ist heute also kein Hindernisparcours mehr. Das hat den Produktionsstandort Schweiz entscheidend gestärkt.

 

Sara Käch ist Leiterin Kommunikation und Mitglied der Geschäftsleitung von interpharma.