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Drei Fragen an...

Matthias Michel - Regierungsrat und  Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Zug
08.05.2018

Matthias Michel - Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Zug

Herr Michel, viele internationale Firmen haben ihr Hauptquartier oder regionale Funktionen im Wirtschaftsraum Zug. Weshalb ist der Kanton Zug als Standort so attraktiv?

Die Anziehungskraft ist vielfältig begründet und nicht allein dem attraktiven regulatorischen und steuerlichen Umfeld zuzuschreiben. Die Nähe zu den wichtigen Universitäten wie beispielsweise der ETH Zürich und die guten Verkehrsanbindungen zum Flughafen Zürich stellen wichtige Ansiedelungsfaktoren für Firmen dar. Zudem überzeugt der Wirtschaftsstandort Zug durch seine gut ausgebaute Infrastruktur, seine Internationalität, seine lösungsorientierten Behörden und nicht zuletzt durch den Zugang und die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Arbeitskräften. Dies verdanken wir unter anderem den Bilateralen.


Können Sie das etwas genauer erläutern? Inwiefern spielen die bilateralen Verträge mit der EU eine Rolle für den Standort Zug?

Wie Sie bereits erwähnt haben, gibt es im Kanton sehr viele international tätige Firmen. Standortspezifische Faktoren wie das steuerliche Umfeld oder die Infrastruktur spielen zwar eine wichtige Rolle bei der Wahl des Standorts, internationale Firmen sind jedoch vor allem auf offene Märkte und insbesondere auf einen einfachen Zugang zum europäischen Binnenmarkt und zu dessen hochqualifizierten Arbeitskräften angewiesen. Beispielsweise gewährleistet der Abbau der technischen Handelshemmnisse den ungehinderten Zugang zu den Exportmärkten im EU-Raum. Und die Personenfreizügigkeit ermöglicht eine einfache und unbürokratische Rekrutierung von qualifizierten Fachkräften, an denen es in der Schweiz zum Teil mangelt. Diese beiden Faktoren sind neben den standortspezifischen Merkmalen für die Standortwahl entscheidend, gerade für die im Kanton Zug ansässige, stark international ausgerichtete Life-Science-Industrie.


Welche Auswirkungen hätte ein Wegfall der bilateralen Verträge mit der EU für den Kanton Zug?

Die Schweiz und damit auch der Kanton Zug sind unter anderem dank den bilateralen Verträgen international wettbewerbsfähig. Ein Wegfall dieser Verträge hätte Auswirkungen auf alle Firmen, die im Kanton Zug oder generell in der Schweiz produzieren und ihre Produkte in die EU exportieren. Dies gilt ebenso für das Gewerbe, welche diese Firmen und deren Personal beliefern. Denn obwohl wir ein Freihandelsabkommen mit der EU haben, würden mit dem Wegfall der bilateralen Verträge u.a. die technischen Handelshemmnisse wieder eingeführt. Dadurch würden Qualitätskontrollen vor dem Export durchgeführt werden, was deutliche Mehrkosten verursacht und die Schweiz und den Kanton Zug als Produktionsstandort weniger attraktiv machen würden. Zudem könnten wohl nicht mehr alle Firmen die benötigten Fachkräfte rekrutieren.

 

Matthias Michel ist Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Zug.